#11 Trading Apps



Zunehmend sehe ich Werbung für Trading Apps, und aus dem Freundeskreis bekomme ich oft mit, auf welche Art sich immer mehr Leute mit dem Handel von Aktien, Optionen und Kryptowährungen beschäftigen. In den Nachrichten liest man von Dogecoin, Gamestop und anderen verrückten Dingen, es gibt explodierende Kurse, und immer mehr berühmte Menschen posten in den sozialen Medien über diese Themen.


Auf viele wirkt dies alles sehr aufregend und ansteckend. Man bekommt in einigen Foren suggeriert, dass dies der Aufstand der Kleinanleger sei, die nun den großen Finanzakteuren eins auswischen und dabei schnelles Geld verdienen. Mir jedoch bereitet diese Entwicklung Sorgen.


Trading, also der schnelle Kauf und Verkauf von Aktien, Kryptowährungen und anderem hat nämlich mehr mit Glücksspiel, also Sportwetten, Poker etc. zu tun als mit tatsächlichem Investieren. Oft sind die Trading-Plattformen verpflichtet, in ihrer Werbung darauf hinzuweisen, dass die meisten Nutzer Geld verlieren. Im Kleingedruckten steht da dann z. B. „70 % unserer Kunden verlieren Geld, wenn sie mit uns handeln“. Leider lesen dies viele nicht oder sie meinen, dass Sie zu den 30 % gehören, die damit Geld verdienen.


Ebenso wie Glücksspiel kann auch das Trading süchtig machen. Auf jeden Fall macht es arm und bezweckt damit also das Gegenteil von dem, was man eigentlich beim Investieren erzielen möchte. Der Mensch ist einfach nicht zum Traden gemacht. Es gibt so viele psychologische Fallstricke. So ist zum Beispiel mit das Gefährlichste, was einem passieren kann, nachdem man sich auf so einer Trading-Plattform angemeldet hat, dass man mit seinem ersten Trade einen Gewinn erzielt. Dies verleitet nämlich zu dem Denken, dass das ja total einfach sei oder dass man selbst ein Naturtalent sei. Also geht man mit viel Selbstvertrauen in den nächsten Trade, vergrößert den Einsatz und verliert mehr, als man beim ersten Trade gewonnen hat.


Kurzfristige Bewegungen an den Kapitalmärkten sind nicht antizipierbar, sie geschehen zufällig und sind das Produkt hochkomplexer Handelssysteme sowie einer Summe aus externen Faktoren, die man unmöglich vorhersehen kann. Deswegen sollte man es am besten gar nicht erst versuchen. Stattdessen rate ich allen dazu, bei einer Depotbank einen ETF Sparplan auf z. B. den MSCI Welt Aktien Index einzurichten und monatlich Geld zu investieren. Dies ist nicht nur viel einfacher als Traden, es ist auf lange Sicht auch viel profitabler.