#15 Inflation


Es sind verrückte Zeiten. Neben Corona, Krieg und Inflation sind jetzt auch die Aktienmärkte stark am Fallen. Wieso? Weil die Inflation hoch ist und die Zentralbanken dazu zwingt, die Zinsen zu erhöhen. Steigende Zinsen sind kein gutes Umfeld für Aktien und auch nicht für die Realwirtschaft – sie sind aber die einzige wirksame Medizin gegen anhaltend hohe Inflation, da sie den Konsum und die Investitionsbereitschaft verringern.


Warum ist die Inflation so hoch?


Man hört ja die verschiedensten Gründe; der Krieg in der Ukraine, Corona etc. All dies hat sicherlich einen Einfluss auf die Inflation, allerdings nur marginal verglichen mit der Geld- und Fiskalpolitik. Die Zentralbanken haben seit der großen Finanzkrise 2008/09 Unmengen an neuem Geld geschaffen. Dieses Tempo hat sich seit der Pandemie nochmals deutlich beschleunigt. Dies ist der wichtigste Grund für die anhaltend hohe Inflation.


Der zweitwichtigste Grund für die hohe Inflation ist die Energiepolitik der letzten Jahre. Der politische Wille, weniger CO2 zu produzieren und auf erneuerbare Energien umzuschwenken, hat dazu geführt, dass sehr wenig in die Förderung von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas investiert wurde, weshalb das Angebot hier nicht gewachsen ist. Gleichzeitig müssen wir jetzt feststellen, dass die Energiewende nicht einfach ist und sich Kohle, Gas und Öl nicht so leicht durch Wind und Sonne ersetzen lassen.


Dieses Problem wird auch so schnell nicht verschwinden. Wir produzieren zu wenig günstige Energie, weshalb Strom- und Spritkosten auf absehbare Zeit hoch bleiben werden. Und da alles, was wir konsumieren, wie z. B. Getreide, Kleidung und Häuser, eine Menge Energie in der Herstellung benötigen, werden auch diese Güter auf absehbare Zeit hin sehr teuer bleiben.


Was sollte man nun tun?


Nun, die Situation ist nicht einfach, aber was man nicht tun sollte, ist seine Aktien-ETFs zu verkaufen – es sei denn, man braucht in absehbarer Zeit das Geld. Und zweitens sollte man regelmäßig (am besten monatlich) in einem breiten Aktien-ETF ansparen. Insofern kann man den aktuellen Kursrückgang auch als Gelegenheit betrachten, günstiger zu kaufen.


Aktien laufen zwar gerade nicht gut, aber es gibt wohl kaum bessere Alternativen. Anleihen sind aufgrund der Zinserhöhungen ebenfalls am Fallen und bieten keine Aussicht auf langfristigen Werterhalt, da die Inflation weiterhin signifikant über den Zinsen liegt. Cash auf dem Konto ist mittel- und langfristig auch keine Lösung, da die Inflation je nach Warenkorb für die meisten von uns zwischen 10 und 20 % uns liegt. Da schmilzt die Kaufkraft des Geldes auf dem Konto so schnell dahin wie ein Capri-Eis in der Sonne.

Langfristig bieten Aktien mit die beste Chance auf Werterhalt und Rendite, man muss nur einen Weg finden, mit der Volatilität umzugehen. Wie hier schon oft geschrieben, sind solche Aktien-Crashs historisch betrachtet keine Seltenheit. Und trotzdem konnte man mit Aktien in den letzten 100 Jahren eine Rendite von 7 - 9 % erzielen. Wie untenstehende Grafik zeigt, waren 2020 und 2021 herausragend gute Aktienjahre. Daher ist es mathematisch nur plausibel, dass irgendwann einmal ein schlechtes Jahr kommt – schließlich liegt der langfristige Durchschnittsertrag von Aktien „nur“ bei 7 - 9 % und nicht bei 15 - 30 %.



Und Bitcoin? Nun, Bitcoin sind wahrlich nichts für schwache Nerven. Wenn man sich den technischen Umgang und vor allem den Umgang mit der Volatilität zutraut, könnte nun bald ein möglicher Zeitpunkt gekommen sein, einen gewissen Prozentsatz seines Geldes hier anzulegen (je nach Risikoneigung z. B. 3, 5 oder 10 %).


Auch Gold hat in der Vergangenheit seinen Wert in inflationären Phasen halten können und kann deshalb auch in einem Portfolio berücksichtigt werden. Anders als Euro und Dollar lässt sich nämlich auch Gold nicht beliebig vermehren.


Denn eines ist sicher: Das Gelddrucken der Zentralbanken muss irgendwann weitergehen, sonst implodiert das gesamte Finanzsystem. Der einzige Weg, sich davor zu schützen, sind Anlagen in reale Werte wie Aktien oder Vermögenswerte, welche sich nicht beliebig replizieren lassen wie z. B. Immobilien, Gold und Bitcoin.


Es ist davon auszugehen, dass die Inflation auf absehbare Zeit erhöht bleiben wird. Deswegen kann es Sinn machen, haltbare Lebensmittel wie z. B. Honig, Olivenöl und Schnaps auf Vorrat zu kaufen - vorausgesetzt man hat den Stauraum.


Es sind herausfordernde Zeiten, und ich wette nicht auf eine schnelle Besserung der Lage. Umso wichtiger ist es, zusammenzuhalten und sich gegenseitig zu helfen. Irgendwann kommen auch wieder bessere Zeiten.