top of page

#20 Rezession...und nun? Portfoliostruktur für den Rest des Jahrzehnts


'A bag packed to go either way'


Deutschland ist nun offiziell in der Rezession, wie die neusten BIP-Daten bescheinigen.

Es gab zwar ein paar Nachrichten dazu, doch im Grunde fand diese Neuigkeit, wie so viele eigentlich wichtige Themen, nur wenig mediale Beachtung.


Warum ist Deutschland in die Rezession abgeschmiert?


Neben einer sich eintrübenden Konsumentenstimmung sind vor allem die Schwäche im fertigenden Gewerbe und der Exportwirtschaft aufzuführen, eine direkte Konsequenz der drastisch gestiegenen Energiekosten für die Industrie. Deutschland hat unter den Industrienationen sehr hohe Stromkosten. Grund hierfür sind der Lieferstopp von russischem Gas, teure erneuerbare Energien und der Atomkraftausstieg.

Strom war aufgrund der EEG-Umlage und der planwirtschaftlichen Energiewende auch vor dem Ukraine-Krieg schon teuer in Deutschland. Das nun nicht mehr fließende russische Erdgas hat die Situation für die Unternehmen nochmals deutlich verschärft.


Wie wird es nun weitergehen?

Der Ausblick ist nicht rosig für Deutschland, energieintensive Produktion wird in den kommenden Jahren aus Deutschland vermehrt abwandern. Es ist jetzt schon erkennbar, dass ganze Branchen, zum Beispiel die Chemieindustrie, einen Investitionsstopp in Deutschland verhängt haben. Länder wie die USA sind im internationalen Wettbewerb einfach attraktiver als Deutschland, was brisant ist, da die Wettbewerbsfähigkeit und Exportstärke Deutschlands nicht nur der Motor der Eurozone war, sondern auch den massiven Ausbau der Staatsquote und des Sozialstaats in Deutschland finanziert hat.


Neben anhaltend hoher Inflation und einem Krieg in der Ukraine sowie einem sich rasch entwickelnden Konflikt zwischen dem Westen und China und Russland haben wir nun auch eine Rezession in Deutschland – woraus sich natürlich die Frage ableitet, wie man sich für die kommenden Jahre wappnen kann. Ich habe in der Vergangenheit schon über das Fourth-Turning geschrieben und Vorschläge gemacht, wie man sich dafür aufstellt.

Im Folgenden stelle ich eine simple Methode vor, um sein Kapital anzulegen, von der ich denke, dass so eine sehr gute Chance besteht, die Kaufkraft durch den Rest des Jahrzehnts zu retten. Dies ist jedoch nur ein Gedankenanreiz, letztendlich muss jeder selbst Verantwortung für sein Geld übernehmen.


Folgender Strukturierungsansatz bezieht sich ausschließlich auf das ersparte, also liquide Vermögen und klammert bewusst andere Vermögensgegenstände wie Immobilien aus.



Aktien sollten sich langfristig um 2 bis 4 % pro Jahr besser entwickeln als die Inflation und könnten somit sogar helfen, die Kaufkraft zu mehren. Am besten ist ein breiter Aktien-ETF wie der hier schon besprochene Vanguard FTSE All Share, welcher der breiteste und umfassendste ETF ist, den es gibt. Es könnte aber genauso gut ein MSCI All Country World Index ETF sein. Aus praktischen Gründen sollte dies auch der ETF sein, welcher monatlich bespart wird. Aktien zahlen auch eine Dividende und generieren dadurch fortlaufend Cash-Flow, der reinvestiert oder für andere Zwecke genutzt werden kann.


Edelmetalle, hauptsächlich Gold in physischer Form, also Münzen in verschiedenen Größen, idealerweise in einem Schließfach. Man kann auch zusätzlich ein paar Silbermünzen kaufen, diese sind in einem echten Krisenfall ein praktischeres Zahlungsmittel. Gold ist vor allem eine Absicherung gegen Inflation, Geldentwertung, Verstaatlichung und andere Krisen. Gold hat es langfristig geschafft, die Kaufkraft von Investoren zu halten.


Bitcoin ist die härteste Form von Geld, da es nie mehr als 21 Millionen geben wird; am besten in einem Cold-Wallet, also nicht auf den Börsen gelagert. Die beste Anleitung gibt es beim Blocktrainer: https://www.blocktrainer.de/bitcoin-einstieg-leicht-gemacht/

Bitcoin hat ähnliche Eigenschaften wie Gold, bietet langfristig jedoch deutlich größeres Renditepotenzial, wobei natürlich das Risiko und die Kursschwankungen deutlich höher sind.


Cash

Neben dem Notfallkonto ist es ratsam, etwas Bargeld zuhause oder leicht zugänglich versteckt zu haben, sodass man im Falle eines Blackouts dennoch Lebensmittel einkaufen kann. Der Rest der 20 % sind im aktuellen Umfeld am besten in kurzlaufenden Staatsanleihen der Eurozone angelegt. Hierfür gibt es auch ETFs, wie zum Beispiel den iShares € Govt Bond 0-1yr UCITS ETF (ISIN IE00B3FH7618). Dieser investiert z.B. in deutsche und französische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr und hat aktuell eine durchschnittliche Verzinsung von 3,1 %. Dies ist zwar deutlich niedriger als die aktuelle Inflationsrate, aber dennoch mehr als das, was man auf einem Bankkonto an Zinsen bekommt.


Dieses Portfolio hat meines Erachtens beste Chancen, die Kaufkraft von Geld bis in die (hoffentlich) ruhigeren 2030iger Jahre zu transportieren – und vielleicht sogar real zu mehren. Es ist ein Portfolio inspiriert von dem Lied „Heart full of holes“ von Mark Knopfler, in dem er singt er habe „a bag packed to go either way“. Keiner weiß, was die nächsten Jahre bringen werden, es sind allerdings zwei Dinge sehr wahrscheinlich: 1. Es wird ereignisreich und damit volatil bleiben und 2. Der Kaufkraftverlust, also die laufende Entwertung von Euro, US Dollar und anderen Währungen, wird in rasantem Tempo fortschreiten. Dieses Portfolio enthält Sachwerte wie Unternehmensanteile, Gold und Bitcoin, welche dieser schleichenden Enteignung widerstehen sollten – auch wenn es zwischenzeitlich bei allen dreien sehr volatil zugehen kann und wahrscheinlich auch wird.


Die Cash-Quote dient primär als Reserve – und um sprichwörtlich liquide zu bleiben. Sollte es wieder Verwerfungen an den Kapitalmärkten geben und z.B. Aktien irgendwann wieder einen Kursverfall erleiden, kann das Cash genutzt werden, um dann opportunistisch die Gewichtung von 40 % des Gesamtvermögens wiederherzustellen.


Wovon ich nichts halte, ist entweder Bitcoin, Gold oder Aktien zu verkaufen, wenn diese aufgrund einer guten Kursentwicklung über die Soll-Gewichtung, also 20 %, 20 % oder 40 % steigen. Die Geschichte zeigt, dass man Gewinner laufen lassen soll.


Wie Kenny Rogers einst in seiner Ballade The Gambler sang, muss man beim Poker ein paar grundsätzliche Regeln kennen. Gleiche gilt für den Umgang mit Geld. Vieles davon habe ich in diesem Blog bereits behandelt und die wichtigsten Konzepte sind hier aufgeführt.


Die vier Bestandteile bieten, einzeln betrachtet (bis auf Cash), langfristig Aussicht auf Werterhalt und sogar Rendite nach Inflation. Kurz- und mittelfristig verhalten sie sich jedoch alle sehr unterschiedlich, was das Portfolio im Zusammenspiel resilienter als ein klassisches Aktien + Anleihen Portfolio machen sollte. A bag packed to go either way.

コメント


bottom of page