#14 Es wird gerade etwas turbulent - ein kurzes Update


Nach einem großartigen Aktienjahr 2021 ist der Jahresauftakt 2022 etwas turbulenter. Warum das so ist, möchte ich kurz erklären – und warum man sich nicht aus der Ruhe bringen lassen sollte. Dass es solche Rücksetzer gibt, ist völlig normal – insbesondere nach so starken Aktienjahren wie 2020 und 2021. Für den langfristigen Sparer ist das sogar gut, weil man dann zu günstigeren Kursen nachkaufen kann.


Die Konjunkturmaßnahmen der Regierungen haben dazu geführt, dass die Menschen trotz Corona-Krise ausreichend verfügbares Einkommen haben. Dieses haben sie u.a. genutzt, um viel zu konsumieren, was für eine hohe Nachfrage nach ganz vielen Produkten geführt hat (man denke nur an die vollgestopften Lieferwagen der Postboten). Gleichzeitig führte die Pandemie zu Störungen in den Lieferketten, weshalb viele Fabriken nicht wie normal produzieren konnten. Es prallt zurzeit also eine robuste Nachfrage auf ein eingeschränktes Angebot. Die Konsequenz ist, dass die Preise im Supermarkt steigen. Gleichzeitig steigen die Energiekosten – was teilweise andere Gründe hat, aber im Wesentlichen auf eine starke Nachfrage und begrenztes Angebot zurückzuführen ist.


All dies führt dazu, dass wir in Deutschland aktuell eine Inflation (nach offiziellen Angaben) von über 5% haben. Bei Energie liegt sie sogar bei über 18%. In den USA ist dieses Bild noch prekärer, hier liegt die Inflation nach offiziellen Angaben bei 7%.


Die anhaltend hohe Inflation bringt zunehmend die Zentralbanken unter Druck, die mit ihren niedrigen Zinsen und Anleihenkauf-Programmen diese mit erschaffen haben. Diese halten nämlich die Zinsen auf historisch niedrigem Niveau, sodass Sparer inzwischen sehr viel Geld verlieren. Wenn das Geld auf dem Konto liegt und 0% Zinsen verdient, die Inflation aber wie aktuell bei circa 6% liegt, verliert man jedes Jahr 6% seiner Kaufkraft. Dabei ist es eigentlich die Kernaufgabe der Zentralbanken, die Inflation auf einem niedrigen Niveau zu halten.


Um nicht das Bild zu vermitteln, all dies zu ignorieren, hat nun die amerikanische Notenbank (die wohl wichtigste der Welt) angekündigt, die Zinsen zu erhöhen. Und da Zinsen eine wichtige Variable in der Bewertung von Vermögenswerten sind, fallen Aktien. Besonders betroffen sind dabei Wachstumsaktien und Bitcoin, da ein Großteil deren intrinsischen Wertes in der Zukunft liegt und deshalb die Abzinsung zukünftiger Erträge höher ausfällt.


Das Problem bei dem Ganzen ist nur, dass die Schulden der Regierungen und Unternehmen im Westen so hoch sind, dass diese eigentlich keine viel höheren Zinsen verkraften können, da ansonsten die Zinszahlungen zu teuer sein würden. Auch sind die westlichen Länder darauf angewiesen, dass die Zentralbanken ihre Schulden aufkaufen, um ihre Haushaltsdefizite zu finanzieren.


Was wird also als Nächstes passieren? Ich habe zwar keine Glaskugel, gehe aber stark davon aus, dass die Zentralbanken die Zinsen nicht nachhaltig erhöhen werden – auch wenn sie dieses Jahr so tun müssen, insbesondere da in den USA die Mid-term Wahlen anstehen. Letztendlich haben sich die Zentralbanken (und Regierungen) in eine Situation manövriert, aus der es kein Zurück gibt. Irgendjemand muss den Regierungen schließlich das Geld leihen.


Zwischenzeitlich kann es weiter holprig sein. Aktien machen im Schnitt 7-8 % Rendite im Jahr (wie in den letzten 100 Jahren). Letztes Jahr hat der MSCI Welt Aktienindex 31% Rendite gemacht. Um auf einen Schnitt von 7-8% zu kommen, muss es also auch mal schwächere Jahre geben.


Was sollten Sparer und Anleger aus all diesem ziehen? Gar nichts. Freut Euch, wenn die Kurse fallen, dann kauft ihr billiger nach. Gut ist, einen langen Anlagehorizont zu haben und regelmäßig – am besten über einen Sparplan – Geld in einen breiten Aktien-ETF und vielleicht zusätzlich auch etwas in Bitcoin anzulegen. Es kommen auch wieder ruhigere Zeiten! Und bis dahin; lasst es Euch möglichst gutgehen!